• Menschen aus verschiedenen Arbeits- und Lebensbereichen

© Bild: DGUV / KI-generiert

Stabilität in unsicheren Zeiten: Warum Resilienz Prävention braucht

Bei den „DGUV Impulsen“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Praxis am 19. Mai in Berlin, wie Deutschland seine Krisenfestigkeit stärken kann – und welche Rolle die gesetzliche Unfallversicherung dabei spielt.

Wie bleibt eine Gesellschaft handlungsfähig, wenn Krisen gleichzeitig, schneller und immer komplexer auftreten? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „DGUV Impulse | Stabilität in unsicheren Zeiten – Resilienz braucht Prävention“, zu der die DGUVam 19. Mai nach Berlin eingeladen hatte. Im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Praxis wurde deutlich: Resilienz entsteht nicht erst im Krisenfall. Sie wächst dort, wo Risiken früh erkannt, Menschen geschützt und tragfähige Strukturen aufgebaut werden.

  • Dr. Stephan Fasshauer

Dr. Stephan Fasshauer: „Resilienz entsteht nicht erst in der Krise. Sie entsteht dort, wo Menschen geschützt, Risiken früh erkannt und verlässliche Strukturen aufgebaut werden.“

Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der DGUV, machte deutlich, dass die gesetzliche Unfallversicherung ein zentraler Bestandteil der Vorsorge-Infrastruktur in Deutschland ist. Prävention, Rehabilitation, medizinische Versorgung und starke Netzwerke vor Ort seien nicht nur im Alltag unverzichtbar. Ihr Wert zeige sich besonders dann, wenn Gesellschaft und Wirtschaft unter Druck geraten. Die gesetzliche Unfallversicherung leistet bereits heute einen konkreten Beitrag zur Krisenvorsorge. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen beraten Unternehmen und Bildungseinrichtungen zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Sie unterstützen auch Ehrenamtliche, etwa in der Freiwilligen Feuerwehr, und qualifizieren jährlich mehr als zwei Millionen Menschen in Erster Hilfe. Mit den BG Kliniken sichern sie zudem wichtige Teile der Akutversorgung und Rehabilitation in Deutschland ab. Diese Leistungen zeigen: Prävention ist mehr als Unfallvermeidung. Sie ist ein Baustein gesellschaftlicher Stabilität. Wer Menschen schützt, Risiken reduziert und Versorgungsketten stärkt, trägt dazu bei, dass Wirtschaft und Gesellschaft widerstandsfähiger werden.

Prävention als Stabilitätsanker

Deutschland steht vor wachsenden Herausforderungen. Extremwetterereignisse, Cyberangriffe, geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten erhöhen den Druck auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Umso wichtiger sind Strukturen, die nicht erst reagieren, wenn eine Krise eingetreten ist, sondern vorher wirksam werden.

Genau hier setzt Prävention an. Sie schützt Menschen bei der Arbeit, in Bildungseinrichtungen und im Ehrenamt. Sie unterstützt Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen dabei, Risiken zu erkennen und sichere Rahmenbedingungen zu schaffen. Und sie trägt dazu bei, dass Betriebe, Organisationen und öffentliche Strukturen auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben.

Bärbel Bas: "Eine starke Wirtschaft lebt von denen, die jeden Tag arbeiten – aber nur, wenn sie gesund sind."

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hob in ihrem Beitrag die Bedeutung der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hervor. Sie seien ein wichtiger Stabilitätsanker für Beschäftigte und Betriebe. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die gesetzliche Unfallversicherung engagierten sich tagtäglich für ein hohes Schutzniveau der Beschäftigten, so Bas. Damit leisteten sie zugleich einen Beitrag zur Resilienz der gesamten Gesellschaft. Sichere und gesunde Arbeitsplätze sind kein Nebenthema, sondern ein echter Standortvorteil.

  • Diskussionsrunde

Prävention beginnt im Alltag

Stefanie Ostheimer vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betonte, dass Resilienz zivile Systeme brauche, die vorbereitet sind und im Ernstfall funktionieren. Prävention beginne nicht im Ausnahmezustand, sondern im Alltag.

Stefanie Ostheimer: „Resilienz braucht Prävention – und Prävention beginnt im Alltag.“

Wer Krisenfestigkeit stärken will, muss dort ansetzen, wo Menschen arbeiten, lernen, helfen und Verantwortung übernehmen. Dazu gehören sichere Arbeitsbedingungen ebenso wie Erste Hilfe, Brandschutz, betriebliche Notfallplanung, verlässliche Kommunikation und funktionierende Versorgungsstrukturen.

Vernetzung macht krisenfest

Zugleich wurde deutlich, dass Resilienz nicht allein eine Aufgabe staatlicher Krisenstäbe ist. Sie entsteht im Zusammenspiel vieler Akteure: in Betrieben, Verwaltungen, Schulen, Kliniken, Rettungsorganisationen und ehrenamtlichen Strukturen.

Nur durch eine enge Vernetzung aller relevanten Akteure ließen sich vorhandene Ressourcen wirksam organisieren und im Krisenfall gezielt einsetzen. Krisen lassen sich nicht in Zuständigkeitssilos bewältigen. Sie erfordern Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen, Unternehmen, Sozialversicherung, Bevölkerungsschutz, Feuerwehr, medizinischer Versorgung, Wissenschaft und Ehrenamt.

Dr. Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft verwies darauf, dass die Vernetzung aller relevanten Akteure in Deutschland noch gestärkt werden müsse. Entscheidend sei, Informationen, Kompetenzen und Ressourcen so zusammenzuführen, dass sie im Ernstfall schnell wirksam werden.

Lokale Strukturen und Ehrenamt stärken

Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, lenkte den Blick auf die Bedeutung lokaler Strukturen. Die Feuerwehr sei in der Fläche präsent und in vielen Orten eine zentrale Säule der Gefahrenabwehr. Diese Präsenz sei eine Stärke, die für die Krisenvorsorge noch besser genutzt werden müsse.

Karl-Heinz Banse: „Die Feuerwehr ist in jedem Dorf. Diese Präsenz ist eine Stärke, die wir für die Krisenvorsorge noch besser bündeln müssen.“

Deutlich wurde auch: Ehrenamtliche Strukturen brauchen Unterstützung. Dazu gehört die Bereitschaft von Unternehmen, Beschäftigte für Einsätze und Qualifizierungen freizustellen. Denn im Krisenfall sind freiwillige Feuerwehren, Hilfsorganisationen und andere ehrenamtliche Akteure auf Menschen angewiesen, die vorbereitet und verfügbar sind.

Marktplatz der Resilienz: Prävention erlebbar machen

Im Anschluss an das Programm lud der „Marktplatz der Resilienz“ dazu ein, konkrete Beiträge der gesetzlichen Unfallversicherung zur Krisenfestigkeit Deutschlands kennenzulernen. Im Fokus standen Beispiele aus Prävention, Akutversorgung, Rehabilitation und Krisenvorsorge.

Die von Expertinnen und Experten der DGUV und der BG Kliniken begleitete Ausstellung machte sichtbar, wie vielfältig die Beiträge der gesetzlichen Unfallversicherung zur Krisenvorsorge sind: von Beratung und Qualifizierung über medizinische Versorgung bis hin zu Netzwerken, die vor Ort wirken. Damit wurde greifbar, dass Resilienz durch konkrete Strukturen, verlässliche Zusammenarbeit und funktionierende Netzwerke entsteht.

Fazit: Gemeinsame Verantwortung für eine widerstandsfähige Gesellschaft

Die „DGUV Impulse“ zum Thema Resilienz haben gezeigt: Prävention ist ein Schlüssel, um Sicherheit und Stabilität in unsicheren Zeiten zu stärken. Sie schützt nicht nur einzelne Beschäftigte, Versicherte oder Einrichtungen. Sie trägt dazu bei, dass Betriebe leistungsfähig bleiben, Versorgung gesichert wird und gesellschaftliche Strukturen auch unter Belastung funktionieren.

Für die gesetzliche Unfallversicherung und die DGUV als ihren Spitzenverband ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Prävention weiterdenken, Netzwerke stärken und unseren Beitrag zur Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft sichtbar machen.

Impressionen

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich nach der Diskussionsrunde auch beim Marktplatz über Angebote der gesetzlichen Unfallversicherung zur Resilienz. Hier einige Impressionen (Copyright für alle Fotos: DGUV / Peter Lorenz):